Wir lassen uns aber durch solche Methoden der Überwachung im Plenarsaal nicht einschüchtern.
Der neue Beschluss hat eine Vorgeschichte. Bisher fertigt die Landtagsverwaltung das sogenannte Plenar-TV an, dort werden alle Reden aufgezeichnet und den Abgeordneten zur Verfügung gestellt – auch zum Eigengebrauch für Web-Seiten und ähnliches. Die AfD-Fraktion hatte schon vor geraumer Zeit behauptet, Plenar-TV reiche ihr nicht aus, sie benötige weitere Aufnahmen. Daraufhin begann die Fraktion, hinter ihren Fraktionsreihen eine eigene Kamera zu installieren und Debatten aufzunehmen. Mehrere Abgeordnete anderer Fraktionen klagten später, sie seien ohne ihr Einverständnis von der AfD gefilmt worden. Sie behaupteten, die AfD wolle die Aufnahmen verkürzt präsentieren und damit einen falschen Eindruck erwecken. Der Fall wurde im Präsidium des Landtags vorgetragen, dort ist jetzt ein Beschluss gefasst worden. Das ist nun zwar keine Saalordnung für den Plenarsaal, wohl aber eine Vorstufe in diese Richtung.
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Wiard Siebels sagte, die AfD selbst habe eine entlarvende Mitteilung gegeben, dass sie das Filmmaterial sammeln und später zeigen wolle, „was die Wähler nicht sehen sollten“. Durch einen Zusammenschnitt habe die AfD die anderen Fraktionen diskreditieren wollen. „Wir lassen uns aber durch solche Methoden der Überwachung im Plenarsaal nicht einschüchtern“, betonte Siebels. Wenn sich die AfD auf die normalen Gepflogenheiten im Landtag nicht einlassen wolle, dann müsse man eben eine Saalordnung festlegen. Das sei aber „sehr bedauerlich“, zumal der Landtag seit 1947 keine solche Vorgabe benötigt habe. In kritischen Situationen, als beispielsweise Abgeordnete mit übergroßen Buttons vorm Rednerpult erschienen, die dann vom eigentlichen Inhalt ihrer Rede ablenkten und die Aufmerksamkeit auf die Äußerlichkeit richtete, gab es bislang die Verständigung der Parlamentarischen Fraktionsgeschäftsführer untereinander. In den meisten Fällen wurden Verhaltensweisen, von denen sich andere Abgeordnete gestört fühlten, daraufhin abgestellt.

