SoVD: Tagesmütter und -väter müssen um ihre Existenz bangen
(rb) Hannover. Die frisch gewählte Landesfrauensprecherin des Sozialverbands Deutschland (SoVD) in Niedersachsen, Roswitha Reiß, hat jetzt auf die dramatische Situation vieler Tagesmütter und -väter aufmerksam gemacht: Ab Januar 2016 komme auf diesen Personenkreis eine drastische Verschlechterung ihrer Einkommenssituation zu. Die bisher geltende Sonderregelung für die Krankenversicherung laufe zum Jahresende aus. Damit würden Tagespflegepersonen künftig als hauptberuflich Selbstständige gelten und müssten höhere Beiträge in die Krankenversicherung zahlen, beklagt Reiß. Nach ihrer Schilderung werden sich die Krankenkassenbeiträge für einen Großteil der Tagesmütter und -väter verdoppeln. Bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 3,55 Euro und im Schnitt 2,8 betreuten Kindern, abzüglich der Betriebskosten, erziele eine Tagespflegeperson einen monatlichen Gewinn vor Steuern und Sozialversicherung von ca. 800 Euro bei einer Wochenbetreuungszeit von 40 Stunden. „Damit liegt der Verdienst in der Kindertagespflege oft noch unter dem Niveau des Mindestlohns“, kritisiert die SoVD-Sprecherin. Nach Steuern blieben bei 40 Wochenstunden Betreuung 569 Euro übrig. Die erhöhten Krankenkassenbeiträge von über 350 Euro seien damit für viele nicht tragbar und führten zur Existenzvernichtung, warnt sie. Der Bundesverband der Kindertagespflege setze sich seit Jahren für eine Gleichstellung mit anderen Berufsbildern ein. Die Mindestbemessungsgrundlage von 2126,25 Euro entspreche nicht dem Einkommen der allermeisten Kindertagespflegepersonen. Der Beitragssatz müsse sich am tatsächlich erzielten Einkommen ausrichten. Derzeit werde diskutiert, ob die bisherige bzw. eine andere Sonderregelung bis Ende 2018 weitergeführt werden soll. Anderenfalls würden viele Betreuungsplätze wegfallen, befürchtet die Sozialexpertin. Niedersachsens größter Sozialverband werde diesen Prozess weiterhin kritisch begleiten, damit Tagesmütter und -väter als alternative Betreuungsangebote bestehen blieben und diese nicht immer wieder um ihre Existenz bangen müssten.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #141.