Für die niedersächsische Wissenschaft hat mit dem Porsche-Börsengang eine geradezu goldene Ära begonnen. Rund 1,5 Milliarden Euro stehen in den kommenden fünf Jahren unter dem Motto „Zukunft Niedersachsen“ für die Wissenschaftsförderung zur Verfügung, die zu einem erheblichen Teil aus der Sonderdividende (576,3 Millionen Euro) stammen. „Das ist das größte Programm, dass Niedersachsen jemals für die Forschung auflegen konnte“, freut sich Wissenschaftsminister Falko Mohrs.

Der SPD-Politiker spricht von einer „einmaligen Chance“, dem Forschungsstandort Niedersachsen sowohl national als auch international ein Ausrufezeichen zu setzen. Außerdem will Mohrs die Gelegenheit nutzen, um zusammen mit Wirtschaftsminister Olaf Lies ein oft beklagtes Problem bei der Verwertung von technologischem Wissen in Niedersachsen zu lösen: „Unser gemeinsamer Anspruch ist es, die Todeszone zu überbrücken. Denn wenn man in der Förderung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft herunterfällt, ist das echt gefährlich. Wir wollen diese Lücke schließen.“
Die „Todeszone“, die auch als das „Tal des Todes“ („Valley of Death“) bekannt ist, ist vor allem in der Startup-Szene ein fester Begriff. Viele innovative Technologien, die an einer Hochschule entwickelt wurden, bleiben genau hier auf der Strecke und gelangen nie zur Marktreife. „Das ,Tal des Todes‘ ist dann, wenn die coole, abgefahrene Forschung in den Markt hineinkommen möchte, das Produkt aber noch marktfern ist“, erläutert Prof. Christian Lehmann, Experte für Unternehmensgründung und Entrepreneurship an der Hochschule Hannover (HSH). In den mehr als 20 Jahren, die er sich bereits mit Innovationen und Startups beschäftigt, hat Lehmann genau in dieser Phase schon etliche Existenzgründer scheitern sehen.

Es liege aber nicht immer nur am Geld, stellt er klar. „Die meisten Startups gehen kaputt, weil der Markt und der Kundenbezug fehlen“, betont Lehmann. Startups würden häufig die falschen Prioritäten setzen. „Wissenschaftler sind keine Gründer. Das sind zwei völlig unterschiedliche Qualifikationsbilder“, weiß Lehmann. Die Hochschule Hannover hat deswegen ein Entrepreneurship-Center mit zwei Professoren und acht Transfer-Profis eingerichtet, das Gründungswillige aus dem Umfeld der HSH berät und mit Spezialisten zusammenbringt. „Wir haben einen Prozess entwickelt, bei dem wir innerhalb von 18 Monaten einen Kontakt zum ersten Kunden herstellen“, sagt Lehmann.
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Dass die „Startup Factory“ der Hochschule dabei auf das Knowhow von 10.000 Studierenden und Alumni sowie 100 Wissenschaftlern zurückgreifen kann, ist gleichzeitig eine große Stärke und auch ein Problem. „Jeder, der etwas beiträgt, muss davon auch irgendwie profitieren“, fordert der BWL-Professor. Derzeit werde das Netzwerken bei der Innovationsförderung aber nicht belohnt, weil Fördermittel immer nur bei einer Stelle landen. Lehmann schlägt deswegen ein anderes Anreizsystem vor, bei dem etwa Unternehmensanteile oder andere Belohnungen ausgegeben werden können.
Mehr Beratung und Unterstützung durch Gründerzentren ist auch das, was Falko Mohrs vorschwebt. Er kann sich aber auch zusätzliche Förderprogramme für Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium vorstellen, die sich „überlappen“. „Ich halte unglaublich viel davon, in Ökosystemen zu denken und Systeme einzurichten, die sich selbst tragen“, sagt der studierte Diplom-Kaufmann. Als Vorbild betrachtet er dabei den Göttinger Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, der vor allem mit der Life Science Factory einen eigenen Startup-Kosmos geschaffen hat.



