(rb) Mehr als ein Jahr hat sich ein Mammutgremium mit der Zukunft der beruflichen Bildung in Niedersachsen befasst. Am Dienstag stellten Ministerpräsident Stephan Weil und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt die Empfehlung des „Bündnisses Duale Berufsausbildung (BDB)“ vor, das Teil der Fachkräfteinitiative des Landes ist und von einem 21 Partner umfassenden Lenkungskreis koordiniert wird. Vertreten sind darin die Landesregierung, Unternehmer- und Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kammern, die Arbeitsagentur, die kommunalen Spitzenverbände sowie einschlägige Bildungsträger. Bis zum Frühjahr wurde eine Reihe von Maßnahmen in fünf Handlungsfeldern gesammelt, die die duale Berufsausbildung stärken und bis zum Jahr 2018 modellhaft erproben sollen.
Die Landesregierung hat die Auswertung der BDB-Empfehlungen durch das Kultusministerium am Dienstag während der Kabinettssitzung auf dem hannoverschen Messegelände – hier findet derzeit die 5. IdeenExpo statt – zustimmend zur Kenntnis genommen. Damit sei der Weg frei für mehr Berufsorientierung an den allgemeinbildenden Schulen sowie für eine engmaschige Betreuung und Unterstützung junger Menschen vor Ort. Zudem werde es vom kommenden Schuljahr an eine Vielzahl von Modellprojekten an berufsbildenden Schulen geben, die eine bessere Integration von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz und die Sicherung des wohnortnahen Schulbesuchs in der beruflichen Bildung gewährleisten, versprechen Weil und Heiligenstadt. Die Attraktivität der dualen Berufsausbildung soll erhöht werden, Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sollen schneller den Weg in eine betriebliche Ausbildung finden. Dies sei ein entscheidender Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Niedersachsen, meint der Ministerpräsident. Die Bündnispartner hätten Lösungen erarbeitet, die sowohl das in der rotgrünen Koalitionsvereinbarung formulierte Recht auf eine Berufsausbildung umsetzten als auch die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt verbesserten.
Konkret sollen sich die weiterführenden Schulen von Beginn an intensiver mit der Berufs- und Studienorientierung beschäftigen, um Schüler/innen und Eltern mit den notwendigen Informationen zu versorgen. In den Kommunen werden durch den Aufbau von „Jugendberufsagenturen“ die Beratung und die Unterstützung aus einer Hand vorangetrieben, um Jugendliche in eine Berufsausbildung zu bringen und diese dabei niedrigschwellig zu unterstützen. Unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten sollen neue Einstiege in die duale Struktur (Schule und Betrieb) erprobt werden, um einen direkten Übergang auch während des Schuljahres in die Berufsausbildung zu ermöglichen. Das schulische System werde insgesamt gestrafft. Die freiwerdenden Ressourcen sollen für die Unterstützung und die Assistenz im Übergang genutzt werden, heißt es. Für „unversorgte“ Jugendliche ist geplant, die bereits vorhandenen Instrumente und Maßnahmen wie assistierte Ausbildung, Einstiegsqualifizierung oder Ausbildungsmarktbörsen verschiedener Träger konsequent zu nutzen und zusammenzuführen. Zur Sicherung von wohnortnahen Angeboten der Berufsschulen steht eine Reihe von Einzelmaßnahmen auf der Agenda des Bündnisses: ähnliche Berufe gemeinsam unterrichten, Landesfachklassen gezielt bilden, E-Learning anbieten, in der Fläche Lehrkräfte gewinnen und die berufsbildenden Schulen als „Regionale Kompetenzzentren“ stärken. briDieser Artikel erschien in Ausgabe #128.