Liebe Niedersachsen,

der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Oesterhelweg ist für markige Worte bekannt. Das von Rot-Grün geplante Verbot von Pflanzenschutz- und Düngemitteln an Flussrändern verglich er mit Enteignungen in der DDR. Jetzt ist Oesterhelweg Schatten-Umweltminister im Kompetenzteam von CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann und gab sich gleich bei seiner Vorstellung verbindlich. Es gehe um Kooperation und nicht um das ständige Gegeneinander. „Ich bin eigentlich ganz anders, ich komme nur so selten dazu“, zitierte er sogar den Schriftsteller Ödön von Horváth.

Nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof hatte Oesterhelweg notfalls den Einsatz von Schusswaffen durch die Polizei gefordert. Und auch beim Thema Wolf hat er den Finger schon am Abzug. Der Schattenminister schießt schnell. Peng.

Ich wäre der ideale Zeuge in einem Untersuchungsausschuss, weil ich immer alles sofort vergesse. Ich kann mich schon jetzt nicht mehr erinnern, was oben im ersten Absatz dieser Tageskolumne steht. Sozialministerin Cornelia Rundt war gestern im Untersuchungsausschuss zur Vergabeaffäre fast so gut wie ich. Sie zeigte große Erinnerungslücken und auch der berühmte gelbe Post it-Zettel, auf den die Ministerin „Cima?“ geschrieben hatte, konnte sie nicht aus dem Konzept bringen. Sie sprach vom gelben Zettel, „der alles und nichts bedeuten kann“.

Nützlicher Post-it mit Textvorgabe, falls man einmal in den Untersuchungsausschuss muss – Foto: MB.

In ihrem Leben habe sie schätzungsweise 100.000 Post it-Zettel verfasst, sagte Rundt im Ausschuss. Donnerwetter. Gehen wir einmal davon aus, dass sie Alter von vierzehn Jahren damit angefangen hat, wären das 2000 Zettel pro Jahr und neun Klebezettel an jedem Arbeitstag. Würden Rundt und FDP-Obmann Christian Grascha ihre Statements nach der Sitzung auf kleine Klebezettel schreiben, stünde auf Rundts Zettel „Ich weiß von nichts“ und auf Graschas „Verdächtig. Rundt feuern“. Im O-Ton habe ich beide hier gegenübergestellt:

Eine Zeit lang habe ich in diesem Leben in Baden-Württemberg gewohnt. Mein Lieblingsschild stand damals in Hirschberg an der B5. „Schaff’s net fort, lass es im Ort“, stand darauf. Heute lassen wir es immer seltener im Ort, dafür kommen dann Lastwagen aus dem Amazon-Zentrum in Polen über die A2 und bringen uns den Krempel, den wir auch bei uns zuhause hätten kaufen können. In den Vollsperrungen auf den Autobahnen haben wir dann viel Zeit, darüber nachzudenken, wie das mit unserer Verkehrsinfrastruktur zusammenpasst. Wenn Sie heute im Stau stehen und nichts mehr geht, empfehle ich Ihnen den Kommentar zum Thema im Rundblick – oder online gleich hier.

Tempo 120? Nicht in der Vollsperrung. Willkommen auf der A2. – Foto: MB.

Sollten Sie zum Shoppen übrigens gerne nach Wolfsburg fahren, rate ich Ihnen, nicht den ICE zu benutzen. Der ist am Montag schon wieder vorbeigefahren, obwohl er planmäßig hätte halten sollen.  Die Kollegen vom NDR-Satiremagazin Extra 3 hatten bereits nach den ersten Fällen geraten: Wer in Wolfsburg aussteigen will, sollte vorsichtshalber die Notbremse im Auge behalten.

Kommen Sie heute gut an, wohin Sie auch wollen

Martin Brüning