Das Wesen des Rundblicks: Hintergründe und interne Informationen

Der „Rundblick“ ist ein Insider-Medium: Wer etwas erfahren will über interne Abläufe in der Landesregierung, wer Hintergründe und Zusammenhänge erklärt haben will, der greift zum Rundblick und liest dort, was im Landtag und in den Ministerien aktuell vor sich geht. Seit mehr als 50 Jahren ist das so – und in Zeiten der veränderten Medienwelt ist der Rundblick vielleicht gefragter denn je. Dieses Politikjournal hat bundesweit eine Sonderstellung.

Jeden Tag aktuelle Landespolitik, jeden Tag eine Einordnung dazu – das ist der Anspruch des Rundblicks. Aber wie kam es dazu? Die Drei-Quellen-Mediengruppe gibt den Rundblick heraus, früher hieß der Eigentümer Drei-Quellen-Verlag. Was bedeuten diese „drei Quellen“?

Rolf Zick, der Nestor der Landespressekonferenz, erinnert sich noch an die Entstehungsgeschichte. Er berichtet darüber, weil er alle Vorgänge hautnah miterlebt hat. In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Kommunikation im Wirtschaftsleben und in der Politik immer wichtiger. Viele Firmen hatten aber keine Pressestellen – sie waren auf Zuarbeit und Unterstützung angewiesen. Außerdem wuchs der Bedarf an Informationen für die Unternehmen, vor allem über Vorgänge in den verschiedenen niedersächsischen Betrieben, über personelle Veränderungen und neue Geschäftsfelder. In der Mitte der sechziger Jahre fanden drei hannoversche Wirtschaftsführer zusammen, um einen Wirtschafts-Informationsdienst ins Leben zu rufen, den Rundblick. Mit „drei Quellen“ sind die drei Gründerväter des Rundblick gemeint: der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Friedrich Freiherr von Georgy, der Präsident der Industrie- und Handelskammer Hannover, Clemens von Velsen (und sein Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Fricke), sowie der Pumpenfabrikant Wolfgang Meinecke. Diese Herren hatten die Vorstellung, Informationen vor allem von Unternehmen und für Unternehmen zusammenzustellen – und auch über die Politik, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft setzte.

Dazu gehört allerdings eine Vorgeschichte: Der Verleger Kurt Ihlefeld hatte in den fünfziger Jahren zwei Informationsdienste herausgegeben – den „Niedersachsen-Spiegel“ als Informationsblatt aus dem Wirtschaftsleben, sowie „Die Kulisse“ als politischen Hintergrund-Informationsdienst. Chefredakteur beider Blätter war Joseph Nowak, Autor von Büchern und hannoverscher Korrespondent der katholischen Nachrichtenagentur KNA. Redaktionssitz beider Blätter war das Hinterhaus der Hohenzollernstraße 22 in der hannoverschen Oststadt.

Dort hatte auch Zick, der für den „Neuen Landesdienst“ arbeitete, eine Art Agentur, seine Redaktionsräume. Wie Zick berichtet, kam es bald zu Streitigkeiten, Ihlefeld überwarf sich mit seiner Redaktion, verlor vor Gericht und erhielt Redaktionsverbot. „Niedersachsen-Spiegel“ und „Kulisse“ stellten ihr Erscheinen ein, wie Zick berichtet. Daraufhin hätten die drei Vertreter der Wirtschaft mit Joseph Nowak gesprochen – und im März 1964 beschlossen, den „Rundblick“ zu gründen. Wie Zick schildert, wurde Carl Doehring der erste Chefredakteur, ein Flüchtling aus Schlesien. Er habe sich aber nicht lange gehalten, danach sei Joachim Henze gekommen, ein anerkannter Wirtschaftsredakteur. Nach einigen Jahren sei Henze aber nach München gezogen, und es wurde Zeit für einen neuen Wechsel an der Spitze der Chefredaktion.

1970 trat Helmut Rieger seinen Dienst beim Rundblick an. Er kam von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, hatte dort lange im Politikressort gearbeitet – und verstärkte zunächst die Rundblick-Redaktion, war von 1974 an dann der alleinige Leiter der Redaktion. Mit Rieger gewann das Informationsblatt ein politisches Profil. Wirtschaftsnachrichten waren nicht mehr vorrangig, immer stärker wurde über interne Vorgänge in der Landesregierung und Landesverwaltung berichtet, vor allem zur Zeit der Ministerpräsidenten Georg Diederichs, Alfred Kubel und Ernst Albrecht. Rieger gilt bis heute in Journalistenkreisen als ein Phänomen, als eine Legende: Niemand, heißt es, sei je so dicht an den landespolitischen Akteuren gewesen wie er. Er habe dauernd telefoniert, von vielen vertraulichen Vorgängen ganz früh gewusst und mit seinen Veröffentlichungen oft sogar Minister überrascht.

In der Zeit der Gebietsreform, als landesweit in vielen Rathäusern die Verunsicherung groß war aufgrund der Sorge um realitätsferne Vorschläge aus Hannover, erlebte der Rundblick einen wahren Boom: Viele Kommunalpolitiker sahen im Rundblick die wichtigste Informationsquelle über interne Abläufe in Hannover – und nutzten das dann als Munition für ihre Aktionen vor Ort, für Proteste und Diskussionen. Von Rieger hieß es aber auch, dass er selten in der Öffentlichkeit erschien und für die meisten Menschen ein Unbekannter blieb, weil er Pressekonferenzen und große Veranstaltungen eher mied. Er liebte das vertraute Gespräch – auch am Telefon.

Das wichtigste Arbeitsmittel von Helmut Rieger in den 70ern – Foto: stockphoto-graf

Rieger ging Anfang 1994 in den Ruhestand, schrieb aber weiter hin und wieder für den Rundblick. Nachfolger wurde auch ein Insider der Landespolitik, der langjährige landespolitische Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, Dr. Hans-Peter Sattler. Sattler war vor allem für seine treffenden Kommentare und klugen Einschätzungen bekannt. Er war ein Meister im Umgang mit der Sprache und ein streitbarer Journalist. Die nächste größere Veränderung stand dann im Jahr 2000 an, nämlich eine Fusion von Rundblick und „Nordreport“. Rolf Zick, der in Dransfeld bei Göttingen geboren wurde, berichtete seit 1960 aus Hannover für eine Nachrichtenagentur, die zunächst „Neuer Landesdienst“ hieß. Sein Angebot aus der Landeshauptstadt wurde von vielen lokalen Zeitungen im Lande gern angenommen. Seit 1974 hieß sein Informationsdienst „Nord-Report“, damals trat auch seine Tochter Anne-Maria Zick in die Redaktion ein, später übernahm sie die Aufgaben des Vaters. Mit der Fusion von Rundblick und „Nordreport“ übernahm Anne-Maria Zick die Leitung der Redaktion, an ihrer Seite stand ihre Kollegin Britta Grashorn. 16 Jahre lang prägten die beiden Frauen das Gesicht des Rundblicks: Seriös, ohne langweilig zu wirken, bissig in den Kommentaren, ohne die Fairness aus den Augen zu verlieren. Während die Regionalzeitungen und Rundfunksender gegen Auflagen- und Hörerschwund ankämpften, teilweise ihre landespolitische Berichterstattung ausdünnten, blieb der Rundblick immer das, was er spätestens seit Riegers Zeiten war – ein verlässliches Medium mit dem Blick in das Innenleben der Landespolitik.

„Der Blick auf das Innenleben der Landespolitik“ – Seit jeher Aufgabe des Rundblicks – Foto: Jakob Brüning

Inzwischen gehört die Drei-Quellen-Mediengruppe nicht mehr den Verbänden der drei Gründerväter. Als letzter von ihnen schied Wolfgang Meinecke 1999 aus. Damals stieg Dietrich Kröncke, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, als Eigentümer ein – er übernahm die Anteile von Gernot Preuß, dem Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände. Kröncke besaß das Blatt bis Ende 2010, dann verkaufte er es an seinen Verband NiedersachsenMetall. Dessen heutiger Hauptgeschäftsführer, Krönckes Nachfolger Dr. Volker Schmidt, organisierte auch die Erneuerung des Rundblicks im Jahr 2016 – mit den neuen Redaktionsräumen in der Marktstraße 45, einen Steinwurf vom Landtag entfernt. Der Verleger garantiert die journalistische Freiheit und greift nicht in die Berichterstattung ein.

Nach dem Ruhestand von Anne-Maria Zick haben die beiden Journalisten Martin Brüning und Dr. Klaus Wallbaum die Leitung der Redaktion übernommen. Die Assistentin Sina Gartz (Jahrgang 1982) verstärkt das Team. Zunächst wurden sie unterstützt von Isabel Christian (Jahrgang 1989), die bis Anfang 2019 in der Redaktion tätig war. Später kam Niklas Kleinwächter (Jahrgang 1991) dazu, er kümmert sich in der Redaktion vor allem um die Bereiche Landwirtschaft und Umwelt. Martin Brüning (Jahrgang 1974) war unter anderem Nachrichtenchef beim Radiosender ffn und hat Erfahrung in der politischen und Verbandskommunikation – er kümmert sich um die neuen Medien beim Rundblick, darunter auch um den Audio-Bereich. Klaus Wallbaum (Jahrgang 1961) war 20 Jahre lang landespolitischer Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, ging dann zum überregionalen Redaktionsnetzwerk Deutschland. Beide sind intime Kenner der landespolitischen Szene in Niedersachsen. Das Redaktionsteam arbeitet in der Marktstraße 45, Obergeschoss. Von hier aus haben wir einen Weitblick auf den Landtag, mehrere Ministerien, das Rathaus von Hannover und die Marktkirche – wir liegen direkt im Herzen des Geschehens der niedersächsischen Politik.

 

Hereinspaziert. Die neue Redaktion des Rundblicks findet man seit Juli 2016 in der Marktstraße in der hannöverschen Innenstadt.

Hereinspaziert. Die neue Redaktion des Rundblicks findet man seit Juli 2016 in der Marktstraße in der hannoverschen Innenstadt.