Die Landeshauptstadt Hannover leidet unter einem schlechten Image. | Foto: Tomas Lada

Hannover gilt gemeinhin als langweilig und provinziell. Das schlechte Image der niedersächsischen Landeshauptstadt sitzt gar so tief in Köpfen fest, dass selbst das Stadtmarketing nicht mehr dagegen ankämpft. Die neue Werbestrategie besteht darin, aus der Not eine Tugend zu machen. „Hannover ist aufregend unaufgeregt“, heißt der aktuelle Slogan. Doch bislang hat der Imagewandel noch nicht eingesetzt. Im Attraktivitäts-Ranking unter den deutschen Landeshauptstädten liegt Hannover auf dem vorletzten Platz – noch hinter Mainz, Wiesbaden und Magdeburg. Das hat eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Drei-Quellen-Mediengruppe (3QM) ergeben. Dafür wurden 1500 Personen in der gesamten Bundesrepublik befragt.

Als besonders attraktive Landeshauptstädte werden Hamburg, Berlin und München wahrgenommen. Nur 9 Prozent der Deutschen sind dagegen der Meinung, dass Hannover eine Reise wert ist. Lediglich Saarbrücken gilt als noch langweiliger. „Das ist ein verheerender Wert. Es zeigt, dass Hannover als Stadt der Weltausstellung 2000 seine Chancen nicht genutzt hat“, sagt Volker Schmidt, Geschäftsführer der 3QM. Im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte und Zukunftstechnologien zwischen den Wirtschaftsregionen bewertet er den Image-Nachteil als fatal: „Schon jetzt haben Firmen große Probleme, gute Fachkräfte nach Hannover zu locken. Durch den sich weiter zuspitzenden Fachkräftemangel wird das in Zukunft mit diesem Image der Stadt nochmal deutlich schwerer werden.“

Nicht nur der Durchschnittsdeutsche, sondern auch viele Niedersachsen sehen ihre Landeshauptstadt nicht gerade durch die rosarote Brille. Eine weitere repräsentative Befragung von Allensbach unter 1102 Befragten nur in Niedersachsen zeigt: Nur jeder vierte hält Hannover für ein Vorbild, an dem sich andere Städte orientieren sollten. Fast die Hälfte der Befragten rät sogar aktiv davon ab, der 532.000-Einwohner-Stadt an der Leine nachzueifern. Der größte Kritikpunkt ist der Verkehr. Gerade mal 27,9 Prozent der Befragten sagen, dass Hannover eine verkehrsfreundliche Stadt ist. Als Zentrum für Wissenschaft und Forschung wird die Universitätsstadt gerade noch von jedem Dritten wahrgenommen. Ebenfalls nur einer von drei Niedersachsen ist der Ansicht, dass die Landeshauptstadt gut regiert wird.

Das macht Hannover richtig: Die Einkaufsmöglichkeiten, das kulturelle Angebot sowie die vielen Sehenswürdigkeiten und Erlebnismöglichkeiten bewerten die meisten Niedersachsen dagegen als positiv. Außerdem wird Hannover von der überwiegenden Mehrheit als starke Wirtschaftsregion gesehen. Dass ihre Landeshauptstadt eine attraktive Metropole ist, meinen zwar fast 38 Prozent der Niedersachsen. Genauso groß ist allerdings auch der Anteil der Befragten, die exakt das in Abrede stellen. 27 Prozent der Befragten geben an, dass sich Hannover in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat. 8,8 Prozent haben einen Abwärtstrend festgestellt. Die Mehrzahl der Niedersachsen nimmt allerdings keine Veränderung wahr.

So repräsentativ ist die Umfrage: Für das Ranking der Landeshauptstädte hatte das Allensbach-Institut mehr als 1500 Bundesbürger interviewt. Zu ihrer Meinung über Hannover wurden zudem 1102 Niedersachsen ab 18 Jahren befragt. Die Demoskopen achteten dabei darauf, dass neben Alter und Geschlecht auch die regionale Verteilung stimmt. Aus Hannover selbst kommen 11 Prozent der Befragten. 24 Prozent geben an, häufiger in der Stadt zu sein. Auf 65 Prozent der Befragten trifft weder das eine, noch das andere zu.