Wer schon einmal mit einem jungen Hund Gassi gegangen ist, kennt das Phänomen: Mit einem Welpen an der Leine findet man rasch ein Gesprächsthema und das Eis ist erst einmal gebrochen. So hat das auch Stefan Katt in seinen ersten Wochen im neuen Beruf erlebt. Seit dem 1. Februar ist der 46-Jährige neuer Geschäftsführer des Landesverbands der Maschinenringe in Niedersachsen.

Stefan Katt hat zum Antrittsbesuch beim Politikjournal Rundblick seine Hündin Comia mitgebracht. | Foto: Gartz

Weil er beruflich aber relativ neu ist in der Welt der Landwirtschaft, war sein Hobby eine gute Brücke hinüber in das neue Tätigkeitsfeld. Ehrenamtlich ist er nämlich Landesvorsitzender des Weimaraner-Verbandes, hat selbst schon zwei große und seit Anfang des Jahres auch eine kleine graue Jagdhündin. Wie Comia ihre ersten Schritte tat, tat es auch Stefan Katt. In den vergangenen Wochen begleitete die Hündin ihn auf vielen dienstlichen Terminen. „So konnte ich dann den gestandenen Landwirten schneller erklären, wieso ich für den Job beim Maschinenring geeignet bin und dass ich mit meinem Mann auf einem Hof im Kreis Uelzen lebe, den wir verpachtet haben.“

Eigentlich kommt Katt aber beruflich aus der Erwachsenenbildung, hat zuletzt bei der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung in Hannover und dann beim Haus Rissen, der Gesellschaft für Politik und Wirtschaft in Hamburg gearbeitet. Doch die Branche litt in der Corona-Pandemie sehr. Deshalb suchte er sich etwas Neues und fand die Stelle, die bis vergangenes Jahr noch von Julia Grebe ausgefüllt wurde, die nun bei dem Energieversorger Uniper arbeitet. Was die beiden Personen eint, ist der Wunsch nach einem progressiven Arbeitsumfeld. Katt setzt nun fort, was Grebe zuvor angetrieben hat. Der Landesverband der Maschinenringe soll zum Motor des ländlichen Raums werden, zum Impulsgeber für die niedersächsische Landwirtschaft.

Maschinenring? „Das ist wie Sixt für Landwirte“

Aber was sind überhaupt die Maschinenringe? Obwohl fast jeder Landwirt Mitglied in einem der 28 regionalen Maschinenringe ist, fristet der Landesverband insgesamt eher ein Schattendasein. Wer nichts mit dem Leben im ländlichen Raum zu tun hat, kennt den Verband vermutlich nicht mal mehr vom Hörensagen. Vom Ursprung her waren die Maschinenringe eine auf Solidarität fußende Zweckgemeinschaft: Jemand kauft einen Mähdrescher und leiht ihn über den Maschinenring an andere Bauern aus, die dafür eine kleine Miete zahlen. So muss nicht jeder alles kaufen, aber man hat immer das Werkzeug parat, das man gerade benötigt, und die Anschaffungskosten werden wieder eingespielt. „Das ist wie Sixt für Landwirte“, erklärt Stefan Katt – nur dass der Fahrer inzwischen sogar mit vermittelt wird. Betriebshilfen zu organisieren, gehöre inzwischen zu den ebenso wichtigen Standbeinen der Maschinenringe.

Im Gespräch mit Niklas Kleinwächter erklärt Stefan Katt seine Rolle beim Landesverband der Maschinenringe. | Foto: Gartz

Wenn ein Landwirt sich ein Bein bricht oder gar stirbt, kann der Betrieb nicht einfach eine Pause machen. Die Kühe müssen gemolken und die Schweine zum Schlachthof gebracht werden. Bei den 28 Maschinenringen, die dem Landesverband Niedersachsen angehören, sind 390 Betriebshelfer beschäftigt, wovon 230 hauptberuflich beim Maschinenring oder der Tochtergesellschaft angestellt und 160 nebenberuflich tätig sind, zumeist selbständige Landwirte und deren Angehörige, die vermittelt werden. Insgesamt wurden im Jahr 2022 über 340.000 Einsatzstunden geleistet. Um die 60 Dienstleistungen bieten die Maschinenringe inzwischen in Niedersachsen an, auch Leistungen für Kommunen und Firmen, wie beispielsweise Baumpflege und -fällung, Winterdienst oder Weidezaunbau zur Wolfsabwehr gehören mancherorts dazu.

Mit dem ungleichen Bruder, dem Landesbauernverband Landvolk, verbindet den Maschinenring-Verband ein partnerschaftliches Verhältnis. Während das Landvolk eine eindeutig politische Interessenvertretung ist, versteht sich der Landesverband der Maschinenringe als Dienstleister für den ländlichen Raum, der dabei helfen will, Strukturen zu verbessern und beispielsweise digitale Lösungen voranzubringen. Stefan Katt hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, seinen Verband noch stärker in die bestehenden Netzwerke aktiv einzubringen. Beim Expertenkreis des Landes zur Bewältigung eines Ausbruchs der „afrikanischen Schweinepest“ (ASP) ist der Maschinenring bereits dabei, ebenso beim Grünlandzentrum.



Katt möchte dies noch ausweiten beispielsweise auf eine Zusammenarbeit mit dem Ackerbauzentrum, bei dem zum Einsatz von Robotik geforscht wird, dem Fachverband Feldberegnung oder dem Innovationszentrum Niedersachsen, dem Netzwerk für digitale Innovationen im niedersächsischen Agrarbereich. „Politisch stehen die Moore und die Bienen jetzt auf der Tagesordnung – wenn darüber gesprochen wird, muss der Maschinenring auch mit an den Tisch“, sagt Katt. Ihm ist es wichtig, neue Entwicklungen zu sehen, intensiven Austausch mit anderen Institutionen zu führen. Sein Landesverband legt Wert auf einen Schulterschluss in der niedersächsischen Agrarwirtschaft. Er lädt Interessierte ein, die Welt der Maschinenringe kennenzulernen. Diese dreht sich um eine florierende niedersächsische Agrarwirtschaft und ein gedeihliches Zusammenleben auf dem Land.

Arbeitssicherheit soll zum Dauerthema werden

Neben den großen Themen wird es aber auch in Zukunft bei den Maschinenringen um die kleinen und großen Nöte auf den Betrieben vor Ort gehen. Ein Generationswechsel etwa bei der Berufsgenossenschaft sorge derzeit dafür, dass ganz anders auf landwirtschaftliche Betriebe geschaut werde. Dem Maschinenring-Geschäftsführer ist wichtig, dass die Ankündigung eines Besuches durch den Revisor der Berufsgenossenschaft keine Panik auslöst, sondern die Auseinandersetzung mit Arbeitssicherheit zur dauerhaften Aufgabe wird, bei der der Maschinenring selbstverständlicher Partner ist.



Arbeitssicherheit bedeute auch eine gesetzliche Verpflichtung zur sicherheitstechnischen Unterweisung der Mitarbeiter auf den Betrieben, Beurteilung und Dokumentation der Arbeitsbedingungen, sagt Katt. „Durch meine Fachkräfte für Arbeitssicherheit bieten wir diese Dienstleistungen als Landesverband an. Somit steht der landwirtschaftlichen Betriebsprüfung nichts mehr entgegen.“